Ein ehrliches Kompliment. Ein Gespräch mit jemandem, den man bisher kaum kannte. Eine kleine gute Tat. Ein Blick, der nicht wegschaut.
Manchmal braucht es gar nicht viel, um Schule ein kleines bisschen besser zu machen.
Genau darum ging es bei unserer Mottowoche „Courage beginnt bei mir“. Eine Woche lang wollten wir an der Mittelschule Meitingen nicht nur über Vielfalt, Respekt und Zivilcourage sprechen, sondern ausprobieren, was passiert, wenn rund um uns herum viele Menschen anfangen, im Kleinen etwas zu verändern.
Und tatsächlich: Man konnte es spüren.
Im Schulhaus wurde gelacht und diskutiert, es wurden Komplimente verteilt, neue Gespräche geführt, Herzen geklebt, Augen gestaltet und jede Menge Fotos gemacht. Vor allem aber entstand eine unglaublich positive, fröhliche Stimmung, die gezeigt hat: Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen aufeinander zugehen.
Unter dem Motto „Wir. Alle. Anders. Gemeinsam.“ starteten wir in die Woche. Denn unsere Schule lebt von den Menschen, die jeden Tag hier zusammenkommen – mit unterschiedlichen Geschichten, Stärken, Interessen, Sprachen, Talenten und Eigenheiten. Diese Vielfalt wollen wir nicht nur akzeptieren. Wir wollen sie als Stärke begreifen und schützen.
Deshalb möchten wir uns auf den Weg machen, Teil des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu werden. Die Mottowoche sollte uns alle darauf einstimmen und zeigen, dass Courage nicht erst bei der großen mutigen Tat beginnt. Courage beginnt im Alltag. Und sie beginnt bei jedem Einzelnen.
Aus Fremden wurden Gesprächspartner
Schon am Montag wurde es bunt. Bei der Aktion „Bunte Punkte“ sollten Schülerinnen und Schüler jemanden mit derselben Farbe finden, den sie bisher noch nicht kannten. Dann hieß es: miteinander reden und eine Gemeinsamkeit entdecken. Mottowoche_ Courage beginnt bei mir.pdf
Eine kleine Aufgabe – und doch steckt darin eine große Idee: Wer miteinander spricht, sieht nicht mehr nur „den anderen“, sondern den Menschen dahinter.
Am Dienstag wechselten wir die Perspektive. Wie fühlt es sich an, wenn niemand neben einem sitzen möchte? Wenn über den eigenen Akzent gelacht wird? Wenn jemand wegen seiner Kleidung ausgelacht wird? Und vor allem: Was hätte ein anderer Mensch tun können, damit die Situation besser ausgeht? Mottowoche_ Courage beginnt bei mir.pdf
Danach wurde es richtig schön: Schülerinnen und Schüler schrieben ehrliche Komplimente füreinander – und wer sich traute, sprach sie sogar persönlich aus.
Und vielleicht war genau das eine der wichtigsten Erfahrungen dieser Woche: Wie wenig es manchmal braucht, um einem anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Aus kleinen Taten wurde etwas Großes
Am Mittwoch wollten wir wissen, was passiert, wenn nicht nur einer etwas Gutes tut, sondern möglichst viele.
Die „500 Gute-Taten-Challenge“ begann.
Jede Klasse erhielt eine Aufgabe: jemandem helfen, ohne gefragt zu werden. Mit jemandem sprechen, mit dem man sonst kaum redet. Danke sagen. Jemanden nicht allein lassen. Oder sich trauen, den Mund aufzumachen, wenn jemand unfair behandelt wird.
Für jede erfüllte Aufgabe kam ein kleines Herz zu unserem großen gemeinsamen Herz.
Und plötzlich wurde sichtbar, was sonst leicht übersehen wird:
Viele kleine gute Taten ergeben gemeinsam etwas ziemlich Großes.
1000 Augen sehen hin
Am Donnerstag ging es um einen vielleicht noch wichtigeren Teil von Courage: nicht wegzuschauen.
Was tun wir, wenn jemand ausgelacht wird? Wenn jemand ausgeschlossen wird? Wenn wir eine diskriminierende Bemerkung hören? Wenn jemand Hilfe braucht?
Unter dem Motto „1000 Augen sehen hin“ gestalteten die Schülerinnen und Schüler Augen und machten damit sichtbar, in welchen Situationen sie hinschauen und füreinander einstehen wollen. Mottowoche_ Courage beginnt bei mir.pdf
So entstand nach und nach ein starkes gemeinsames Zeichen:
Wir wollen eine Schule sein, die hinsieht.
Und weil eine Mottowoche nicht nur nachdenklich machen, sondern auch Spaß machen darf, wurde unsere Fotoaktion gleichzeitig zu einem echten Treffpunkt. Freunde und ganze Klassen standen gemeinsam vor der Kamera, probierten sich aus, lachten und nahmen ihre ganz persönliche Erinnerung an diese Woche mit. Mottowoche_ Courage beginnt bei mir.
Ein besonderes Dankeschön gilt an dieser Stelle Foto Beyschlag, die uns mit ihrer Fotobox und ihrer unkomplizierten Unterstützung großartig begleitet haben. Dass wir unseren Schülerinnen und Schülern dieses besondere Highlight überhaupt ermöglichen konnten, verdanken wir außerdem unserem Förderverein der Mittelschule, der die Finanzierung der Fotobox übernommen hat. Vielen Dank für diese Unterstützung – sie hat ganz wesentlich dazu beigetragen, unsere Mottowoche zu etwas Besonderem zu machen!
Gerade diese Mischung aus Nachdenken, gemeinsamem Tun und ganz viel Spaß machte die besondere Atmosphäre dieser Tage aus.
Wir. Alle. Anders. Gemeinsam.
Am Freitag blieb schließlich nur noch eine Frage:
„Was kannst DU ab heute tun, damit sich an unserer Schule jeder willkommen und respektiert fühlt?“ Mottowoche_ Courage beginnt bei mir.pdf
Denn irgendwann endet jede Mottowoche.
Das, wofür sie steht, sollte es nicht.
Zum Abschluss kamen wir deshalb noch einmal als ganze Schulfamilie zusammen. Auf dem Pausenhof stellten sich die Klassen für unser gemeinsames Drohnenfoto auf.
Viele einzelne Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und weitere Mitglieder unserer Schulfamilie wurden für einen Moment zu einem großen gemeinsamen Bild.
Und eigentlich hätte unsere Woche kaum passender enden können.
Denn genau darum geht es: Wir müssen nicht gleich sein, um zusammenzugehören.
Wir dürfen verschieden sein. Wir dürfen Ecken, Kanten, Stärken und Eigenheiten haben.
Aber wir können aufeinander achten.
Wir können füreinander einstehen.
Wir können hinsehen statt wegsehen.
Als Nächstes entscheidet unsere Schulfamilie darüber, ob die Mittelschule Meitingen Teil des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ werden und sich damit klar gegen Ausgrenzung positionieren möchte.
Eines hat uns diese Woche aber jetzt schon gezeigt:
Courage muss nicht laut sein.
Manchmal beginnt sie mit einem Lächeln.
Mit einem netten Wort.
Mit einem „Komm, setz dich zu uns.“
Mit einem „Ich helfe dir.“
Oder mit einem „Hey, das ist nicht okay.“
Und wenn viele Menschen damit anfangen, verändert sich etwas.
Courage beginnt bei mir.
Courage beginnt bei dir.
Courage beginnt bei uns.
